Die Kunst, ein Tanzhaus zu gründen (ohne Geld)

"Dancing with Death" von Pichet Klunchun

Nattapol Meechart

Vor fünfzig Jahren gab es den großen Hype um den Tanz. Tanz erschien als die freundliche Alternative zu Raffgier und Besitzstandsvermehrung. Es war chic, sich nicht länger auf das Materielle, sondern auf den Körper zu besinnen. Das Ich sollte größer werden als der eigene Kontostand.

Arnd Wesemann
Arnd Wesemann
Tanzjournalist

Damals entstand in England ein erstes Produktionshaus für den Tanz, The Place. Frankreich baute sein bedeutendes Centre National de la Danse gleich zweifach, in Paris und Lyon. Man war begeistert vom Genuss des Körpers als Alternative zum bloßen Haben. Freie Tanzgruppen schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Fitnesswelle und Ballettschulen wurden neu definiert. Die Begeisterung für den Körper rührte vom Glauben an die eigene Veränderbarkeit, durch Yoga, alternative Heilmethoden und an eine Biomedizin, die das Klonen erfand.

Dann begann der Siegeszug des Virtuellen, die Lust, sich in elektronischen Dungeons und Ego-Shootern selbst abzuschießen und sich in unendliche Möglichkeitsräume fortreißen zu lassen. Die KI in der Black Box des Computers übernahm, was der Körper war. Dem Tanz blieb, auf seiner schwarzen Bühne, nur die Rebellion. Der Hype um ihn schien vorbei.

Wäre ein Tanzhaus ein utopischer Ort? Ein Werkhaus in der Bangkok Kunsthalle

Absalom

Aber in den Metropolen Asiens ist nun ein neuer Trend in Sicht. Nach aller Adaption westlicher Tanzkunst und der Allgegenwart digitaler Überwachung kommt die Idee vom Tanzhaus zu völlig neuen Ehren. Bangkok hat soeben dazu ein Modell erschaffen: das Nationale Choreografische Centrum Thailand. Anders als vor fünfzig Jahren braucht es dazu keine Immobilie und keine Verwaltung. Das Nationale Choreografische Centrum Thailand ist sogar nahezu kostenneutral, ein Crossover aus Rebellion und intelligenter Kunst – und eine konsequente Lösung für alle Kunstschaffenden, die an der Bürgerschaft scheitern, weil sie derzeit bestimmt auf kein Tanzhaus stolz sein würde.

Natürlich braucht es dieses Tanzhaus so, wie es eine Oper, eine Philharmonie oder ein Schauspielhaus gibt. Aber diese teuren Gebäude sind Relikte aus dem 19. Jahrhundert, an das sich in Asien auch niemand mehr erinnert. Als ein Hier und Jetzt ist deshalb eine neue Form von Tanzhaus entstanden, und dringend zur Nachahmung empfohlen.

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Das Nationale Choreografische Centrum Thailand

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Um eine Institution für den Tanz zu gründen, braucht es viel Geld und eine Mehrheit an Fürsprechern. Da sich beides beim Tanz eher selten findet, haben sich zwei thailändische Choreografen, Jitti Chompee und Pichet Klunchun, etwas Besseres ausgedacht.

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