„Suknia“ entstand 2024 und ist seitdem mehr als zwanzig Mal im Akademischen Theater der Musikalischen Komödie von Odessa aufgeführt worden. 1982 in der Sowjetzeit für 1.300 Zuschauer erbaut, ist Vitaly Kuznetsov seit 2020 der hier bestimmende Ballettmeister. Er inszeniert Musicals, Operette und zeitgenössisches Ballett. „Der erste Tag der groß angelegten Invasion, der 24. Februar 2022, war eine echte Apokalypse für unsere Ballettwelt“, sagt er: „Bis zu 70 Prozent meiner Tänzer und Tänzerinnen, vor allem Frauen mit Kindern, mussten das Land verlassen und fliehen“. Bereits am 25. Februar, am Tag zwei, verkündete der ukrainische Grenzschutzdienst, dass Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen dürfen und für die Wehrpflicht zur Verfügung stehen müssen. „Einige unserer Tänzer wurden an die Front eingezogen, mindestens zwei verwundet.“ Sowohl Kuznetsov als auch Rudoi stehen derzeit nur in Reserve. Das kann sich schnell ändern: Wenn das Land sie braucht, werden auch sie an die Front geschickt.
Vitaly Kuznetsov hat seine gesamte Karriere dem Akademischen Theater der Musikalischen Komödie zu verdanken: Von 1999 bis 2013 stand er hier als Solotänzer auf der Bühne und ihr Ballettmeister. War es je für ihn eine Frage, in Odessa zu bleiben oder es verlassen? Seine knappe Antwort „Alles, was sich auf unserer Bühne bewegt, ist und bleibt meine Aufgabe“.
„Als die russischen Panzer über unsere Grenze rollten“, erinnert er sich, „kam unsere Arbeit zum Erliegen: Angst, Schock und die Qual der Ungewissheit beherrschten die ersten drei Kriegstage. Viele Menschen flohen in Panik aus dem Land. Am 27. Februar sagte ich zu unseren Tanzenden: ‚Wenn ihr keine Angst habt, kommt ins Theater, lasst uns versuchen zu arbeiten‘. In einer Zeit, als die Einwohner von Odessa erst einmal lernen mussten, ohne Strom, Gas, Wasser und Zentralheizung zu überleben.“