Tanz den Widerstand

Unmissverständlich: "Easy Dances" von Csaba Molnar beim Ensembleprogramm SUB.LAB.PRO im MU Theater Budapest

Gergely Ofner

Wie Überleben unter einer ultrarechten Politik? Ein Porträt der rebellische Tanzszene in Budapest

Ingeborg Zachariassen
Ingeborg Zackariassen
in Göteborg lebende Autorin und Produzentin

In ganz Europa hat der Aufstieg des Rechtspopulismus tiefe Spuren im kulturellen Leben hinterlassen. Öffentliche Mittel für die Kunst werden gekürzt, der gesellschaftliche Status der zeitgenössischen Kunst marginalisiert. Der unabhängige zeitgenössische Tanz – ohnehin in prekärer Lage – ist besonders betroffen. Was geschieht hinter der stolzen Fassade Budapests? Wie kann der Tanz in einem Land, in dem demokratische Rechte unter Beschuss stehen, überleben und sich weiterentwickeln?

In Viktor Orbáns Ungarn samt seiner Fidesz-Partei wird der Druck auf unabhängige Künstler nicht länger unmerklich ausgeübt. Tanzschaffende, Veranstaltungsorte und Publikationen mussten nicht nur Budgetkürzungen hinnehmen, auch ihre Freiheiten wurden eingeschränkt, ebenso die der Tanzkritik. Viele haben das Land verlassen. Andere machen weiter – trotzig – mit kaum mehr als ihrer Leidenschaft für die Kunst, an der sie festhalten.

Unter ihnen war ich zu Gast. Unter Menschen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen:

Réka Szabó, Choreografin, Filmregisseurin und ehemaligs künstlerische Leiterin der Compagnie The Symptoms (Foto: Giorgia Bertocchi)
Réka Szabó, Choreografin, Filmregisseurin und ehemaligs künstlerische Leiterin der Compagnie The Symptoms (Foto: Giorgia Bertocchi)
Márta Ladjánszki, künstlerische Co-Leiterin der L1 Independent Artists Association of Public Utility und langjährige Verfechterin des radikalen, inklusiven Tanzes (Foto: Istvan Kovacs)
Márta Ladjánszki, künstlerische Co-Leiterin der L1 Independent Artists Association of Public Utility und langjährige Verfechterin des radikalen, inklusiven Tanzes (Foto: Istvan Kovacs)
gergö d. farkas, Choreograf*in und Performer*in, arbeitet zwischen Budapest, Wien und Stockholm (Foto: privat)
gergö d. farkas, Choreograf*in und Performer*in, arbeitet zwischen Budapest, Wien und Stockholm (Foto: privat)
Adrienn Hód, international renommierte Choreografin und Direktorin der Hódworks (Foto: Gergő Nagy)
Adrienn Hód, international renommierte Choreografin und Direktorin der Hódworks (Foto: Gergő Nagy)
Tamás Halász, Tanzarchivar und Kritiker, Zeuge der kulturellen Entwicklung Ungarns während der letzten drei Jahrzehnte (Foto: Tamás Deszö)
Tamás Halász, Tanzarchivar und Kritiker, Zeuge der kulturellen Entwicklung Ungarns während der letzten drei Jahrzehnte (Foto: Tamás Deszö)
Noémi Herczog, Wissenschaftlerin, Kritikerin und ehemalige Redakteurin des Színház Magazine (Foto: Hajnalka Hurta)
Noémi Herczog, Wissenschaftlerin, Kritikerin und ehemalige Redakteurin des Színház Magazine (Foto: Hajnalka Hurta)
Lena Megyeri, Tanzautorin und Kulturmanagerin (Foto: Adrien Köő)
Lena Megyeri, Tanzautorin und Kulturmanagerin (Foto: Adrien Köő)
György Szabó, ehemaliger Direktor des Trafó House of Contemporary Arts, baut derzeit alternative Plattformen für die nächste Generation auf (Foto: Andreea Anca)
György Szabó, ehemaliger Direktor des Trafó House of Contemporary Arts, baut derzeit alternative Plattformen für die nächste Generation auf (Foto: Andreea Anca)

Was sie verbindet, ist nicht nur ihr Engagement für zeitgenössische performative Kunst, sondern auch die Erfahrung, von einem Regime, das abweichende Meinungen unterdrücken will, an den Rand gedrängt worden zu sein.

Die 30. Pride in Budapest – heute ein Sammelbecken gegen die Regierungspartei

Gergely Ofner

Im Juni 2025 marschierten entgegen aller Widrigkeiten rund 200.000 Menschen durch Budapest zum 30. Pride der Stadt – ein Moment des Widerstands, der Solidarität und der Freude. Doch hinter den bunten Bildern verbirgt sich die andere Realität, in der Zensur, finanzieller Druck und Einschüchterung das kulturelle Feld prägen.

„HALO“ von Jenna Jalonen

Gergely Ofner

Dies ist die Geschichte einer Stadt unter Druck – und der Menschen, die sie trotzdem in Bewegung halten.

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Die Stadt der offenen Wunden

3,44

Eigentlich waren es inspirierende Tage in der ungarischen Hauptstadt: Eingeladen bei der in Budapest lebenden Tanzschriftstellerin Lena Megyeri gewann ich einen Einblick in die tieferen Schichten der unabhängigen Szene in Budapest. Und erschrak.

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