Furore machen weibliche Popgruppen wie Blackswan, in dem sie mit Fatou Samba die erste Schwarze als K-Pop-Star küren. US-Amerikaner wie das Choreografenduo Mike Song und Anthony Lee aka Kinjaz coachen K-Pop-Tanzcrews für ihre Talentshows „Street Woman Fighter“ oder „Street Man Fighter“, in denen Battle um Battle getanzt wird, als ginge es ums nackte Leben.
Die Initiale K steht nicht nur für Korea. Auch für Kapitalismus. Kultur bedeutet: Ware zu exportieren, die auf dem Weltmarkt begehrt ist. K-Pop ist die Lokomotive, in deren Zug auch der Rest der koreanischen Kultur exportiert werden soll. Tanz gehört nur indirekt dazu, wenn sich etwa die Tutu-Designerin Han-ah Chung in ihren kostspieligen Kostümkreationen für’s klassische Ballett von koreanischen Motiven und Farbspielen inspirieren lässt.
Der zeitgenössischer Tanz, obwohl eher gut gefördert, hat es schwer, hier die Richtung zu finden: Soll er sich dem K-Kommerz-Modell anpassen oder westliche Avantgarde imitieren? Südkoreas wirkliche Exportschlager in Sachen Tanz sind klassisch ausgebildete Hochleistungs-Tänzerinnen, die auf internationalem Parkett Ballettpreise abräumen und in Topensembles von New York bis Paris bewundert werden. Dazu kommen Breaker und Waacker, die auf Battles triumphieren und ihr Land bei den Olympischen Spielen stolz machen. Der Vorsitzende des Arts Council Korea, Byoung-gug Choung, kann noch so sehr betonen, dass die südkoreanische Kulturszene mehr sei als nur K-Pop und K-Movies. Was ist denn mit authentischer Autorenschaft und Kreativität in diesem Land der Morgenstille?
Gepflegt wird auch die traditionelle schamanistische Tanzkultur. Hier nahm die Karriere des größten Star des koreanischen Tanzes ihren Anfang: Eun-me Ahn. Sie ist die Königin jenes zeitgenössischen Tanzes, der sich in Korea vor allem gut mit sich selbst beschäftigt, während ich mich auf dem Weg mache, diese unbeugsame Legende zu besuchen, Eun-me Ahn, in ihrem Studio, so gut versteckt wie ein Bunker im Kalten Krieg.
Sie betreibt Tanzkunst ohne industrielle Stromlinienform und die findet man nicht in belebter Umgebung. Man muss sich ein Herz fassen, um in Seoul dorthin zu gelangen, wo die Menschen zu Hause sind: Backstage. Vorhang auf für Eun-me Ahn.