Dennoch „sind einige der Tänzer an der Front, zwei wurden bereits verwundet“, sagt Vitaly. Denis ist nicht nur ein großartiger Tänzer. Er ist auch Produzent. Zwei Tanzabende hat er soeben organisiert: „Chess“, ein dramatisch getanztes Schachspiel, und „Cocoon“ aus der Welt der Insekten. Die Hauptfigur wird von den Würmern, Käfern und Mücken seiner Gemeinschaft abgelehnt. Sie sperren sie in einen Kokon, und sie wird als großer, bunter Schmetterling wiedergeboren. Anderswo könnte man diese Geschichte nur Kindern erzählen. In der Ukraine aber hat sie eine andere Bedeutung: die einer Häutung, einer Wiedergeburt dieses Landes aus imperialen russischen und sowjetischen Traditionen.
Kultur wird in diesem Land dringend gebraucht. Mit Bienenfleiß produziert, wollen Kunstschaffende sie schützen vor Propaganda und fremdem Einfluss, sie als authentische Suche nach einem freien Leben in einem freien Land begreifen. Genau das schafft die enge Verbindung zwischen Kunst und ihrem Publikum. Anders als im Westen würde in der Ukraine niemand auf die Idee kommen, den Sinn von Kunst in Frage zu stellen. Im Gegenteil. Genau davon berichtet unsere Reportage.