Wie Hillel Kogan ganz Israel nach Spanien verlegt

Hillel Kogan
Hillel Kogan in "Thisispain"

Seine Kunst des Geschichtenerzählens treibt Hillel Kogan, einen bekannten Choreografen in Israel, zur präzisen Analyse der kriegerischen Konflikte in dieser Region. Dazu wählt er ausgerechnet das Israel Museum in Jerusalem, den Ort, der dem Jüdischen eine Identität geben soll. Entlang des Tanzes und der Exponate beweist er: Diese Identität gibt es nicht

Während sich Israel seit der Staatsgründung, sage und schreibe seit 1948, mit den arabischen Nachbarn prügelt, skandiert die Minderheit Israels jeden Samstag auf dem Habima-Platz in Tel Aviv gegen den Krieg. Die empörte Öffentlichkeit in aller Welt reagiert auf die Opfer, aber boykottiert genau diese Minderheit, die Kunstschaffenden, als stünden sie Benjamin Netanjahu zu Diensten.

Von Gaga zu Flamenco: Hillel Kogan

Dabei träumt diese Minderheit sich fort aus Israel, will einen europäischen Reisepass, der sie forttragen kann. So, wie der wunderbar intelligente israelische Choreograf Hillel Kogan von Spanien träumt, diesem Vielvölkerstaat der Eroberer und Eroberten, der Geflüchteten und der Gitanos. Was viele in der DDR genauso taten – sich in den Spanischen Tanz flüchten als die strikte, wütend aufstampfende Kunst, die so hart widerhallt wie ein lärmender Protest.

Hillel Kogan verlegt Israel nach Spanien und von hier aus – in seinem klug gemachten Flamenco-Stück mit dem Titel „thisispain“ – betrachtet er sein Land im Kriegsgetümmel aus der Perspektive des in Spanien entstandenen Kubismus, des in Spanien groß gewordenen Surrealismus und des erfolgreichen Widerstands gegen Franco.

Blick vom Israel Museum auf das israelische Parlament, die Knesset

Helena Waldmann

Er wagt sich mitten hinein ins Herzstück der jüdischen Kultur, ins Israel Museum in Jerusalem gleich neben dem Parlament, der Knesset. Hier blüht Kogan auf, als großer Geschichtenerzähler unter Israels Choreografen. Hier addiert er dem Kolonialismus, der Israel vorgeworfen wird, die Fakten hinzu, vor einem Publikum, das gekommen ist, um die eigene Kultur zu bewundern. Ihm gibt er, womit es nicht gerechnet hat: den Tanz zurück, der von der Unterdrückung befreit. Denn Krieg unterdrückt nicht nur die Freiheit der anderen. Sondern auch die eigene.

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Der Elefant im Raum

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Sobald Hillel Kogan sein Land, Israel, aus der Perspektive des spanischen Tanzes betrachtet, wird ein gewaltiger Clash der Kulturen sichtbar, ein Kampf des kolonialen Kapitalismus gegen seine Widersacher: die Künste selbst

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