Seit den späten 1980er Jahren gibt es schon das Viaduto Madureira, ein selbstverwaltetes Kulturzentrum unter einer Autobahn an der Peripherie von Rio de Janeiro. Hier wogt er seit mehr als vierzig Jahren jedes Wochenende unter Betonstelzen: der Baile Charme. Entstanden ist er aus dem anti-rassistischen schwarzen Widerstand gegen die Militärdiktatur in Brasilien. Getragen wird der Baile Charme von der globalen schwarzen Musik, Soul, Funk, R&B, Afropop, Highlife, Rap und Hiphop. Es ist der Ort, an dem Rio am schönsten und am lebendigsten ist und Touristen fast niemals hinfinden: zu dieser tanzenden Community vor allem aus der Zona Norte, dem Rand von Rio, den Favelas. Hier treffen Menschen aller Generationen aufeinander, in allen Hautfarben – vornehmlich Schwarze – mit allen sexuellen Vorlieben und sonstigen Präferenzen. Nie sieht man Paare tanzen, auch nicht Einzelne, sondern stets eine Community als Ganze, die sich spontan aufeinander abstimmt. Das ist keine sozio-kulturelle oder pädagogisch vermittelte Aktion. Weit mehr entsteht der Baile Charme immer wieder neu aus dem tiefen Bedürfnis nach einer in gemeinsamer Bewegung und Ausdruck sich verbindenden kulturellen Identität.