Serge-Aimé Coulibalys strahlendes Lächeln überstrahlt noch einmal das von Aguibou. Er ist der Meister, der 2002 kurz nach Gründung seiner eigenen Faso Dance Company mit den damals Größten auf Europas Bühnen stand: bei Alain Platel (in „Wolf“, 2003), bald darauf mit Sidi Larbi Cherkaoui (in „Tempus Fugit“, 2004) und viel Hochachtung erhielt, als er mit Aborigines der Marrukegu Company in Australien arbeitete (etwa in „Burning Daylight“, 2009). Unbestreitbar ist er ein König, der es sich nicht nehmen lässt zu zeigen, was man in Bobo-Dioulasso tatsächlich auf die Beine stellen kann: Seine eigene private Probebühne und sein eigenes privates Theater sind am Stadtrand entstanden – eine Bühne vom Feinsten, nach europäischen Begriffen innovativ, was sowohl den aus Reifengummi recycelten Tanzboden als auch einen Wettbewerb betrifft, den Serge-Aimé Coulibaly innerhalb des Landes anstieß, um die besten Tänzerinnen und Tänzer in einer biennalen Veranstaltung namens „Simply the Best“ vom Publikum küren zu lassen. Eine eigene Stiftung hat er noch dazu gegründet, Ankata genannt, in der es neben Mikrokrediten für die Nachbarschaft auch englische Sprachkurse für die Tänzer:innen, mentales Coaching, Workshops und natürlich ein Tanztraining gibt – alles, wovon Aguibou Bougobali-Sanou nur träumen kann. Und nun, um das afrikanische Fass zum Überlaufen zu bringen, verkündet der König ungerührt: Ausgerechnet im Februar, dem Monat, in dem Aguibous Festival seit Jahren schon stattfindet, werde er ausgerechnet mit Salia Sanou, Aguibous einstigem Lehrmeister, „gemeinsam ein großes Tanz- und Musik- und Theater-Festival in Bobo-Dioulasso veranstalten.“ Natürlich ohne Aguibou Bougobali-Sanou.
Dieser dankt mit beschwichtigender Geste seinen Kritikern, die es vorgezogen haben, ihm diese Ohrfeige nicht hinter den Kulissen, sondern mitten in seiner Show vor internationalem Publikum zu verpassen. Afrika ist eben nichts für Würstchen. Er pariert mit einem nur noch entwaffnenderen Lächeln. Das macht man so in Afrika, wo ein Jedermann nichts hält von Solidarität, sondern man einander sofort zeigt, wie stark die Muskeln tatsächlich sind. Später erklärt Coulibaly, dass dies keine Bosheit gewesen sei, sondern nur ein Beweis dafür, wie schwer es in Afrika eben wäre, Professionelle im Tanz an einen Tisch zu bekommen: „Das geht nur mit viel Vertrauen, mit Eins-zu-Eins-Gesprächen, Überzeugungsarbeit und einer gewissen Autorität. Denn es ist nun einmal vor allem das Ego der Künstler, das sie überleben lässt – ein Ego, das auf Konkurrenz geeicht ist und eine Zusammenarbeit tendenziell verhindert.“ Dieses komplizierte Feld wolle er nicht diesem Grünschnabel überlassen. Er sei überzeugt, dass der Zusammenschluss mit dem berühmten Tanzpaar Salia Sanou und Seydou Boro auch deshalb besonders wichtig sei, „um mehr Publikum zu generieren und mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Müssen wir dazu wirklich jeden mitnehmen, der tanzen kann? Nein, müssen wir nicht. Ich musste mich einfach wehren, denn auch ich stehe permanent zur Diskussion. Ich lebe nicht so kontinuierlich in Bobo-Dioulasso wie Aguibou. Ich komme und ich gehe, ich toure, ich bin in der Welt unterwegs, was zumindest den Vorteil hat, dass es kaum Zeit gibt, mit den anderen hier wirkliche Probleme zu bekommen. Trotzdem habe ich eine leidenschaftliche Beziehung zu dieser Stadt und ich werde die Szene hier in Bobo-Dioulasso mitgestalten.“