Sanktionen im Paradies

Kubanische Flagge über der Festung von El Morro bei Sonnenuntergang, Havanna, Kuba

Wie sich die Kultur wehrt: in Kuba

Dirk Fuhrig
Dirk Fuhrig

Es liegt an den Sanktionen. Ein Land stoppt jeden Import in ein anderes Land. Was passiert? Ausgerechnet die Kultur wird als das Luxusgut schlechthin verkauft. Der Besuch einer Tanzrevue, einer Show in Kuba, würde – gäbe es noch Tourismus – die Einheimischen die Hälfte ihres monatlichen Einkommens kosten. Das zeigt nicht nur, warum Kunst, um erlebbar zu bleiben, zwingend einer Förderung bedarf. Es zeigt vor allem die Folgen: Wer wie in Kuba keinen Zugang mehr erhält hat zu Bildung, Kunst, Tanz, Literatur, wandert aus: Die Jungen tun es, die Begabten vor allem. Das geschieht nicht freiwillig, sondern als Konsequenz der Sanktionen. Wie anderswo auch.

Der Hafen von Havanna

Annesusanne Fackler

Was in Kuba angesichts andauernder Stromausfälle, Wasserknappheit, dem Nahrungsmangel vor allem sichtbar wird: Es bleibt keine Zeit für Kultur. Der Aufwand, um das eigene Leben zu bewerkstelligen, ist eine Not, die 24/7 dauert. Ein Gesang, ein Tanz, ein Gedicht wird zur Sehnsucht. Man kann diesen Mangel nicht fotografieren, nicht sichtbar machen. Niemand spricht in diesem Land über das eigene Leid. Niemand verhält sich wie ein Opfer. Die Menschen retten sich in die Resilienz, sie widerstehen der Not.

Die Malpaso Dance Company vor ihrem Probenraum

Christopher Duggan

Die Geburt der Kultur aus dem Geist der Not, das ist die Geschichte der Malpaso Dance Company, die es schafft, trotz oder wegen der rigorosen Sanktionen der US-amerikanischen Administration international auf Freunde hoffen zu können. Es sind, scheinbar paradox, vor allem reiche US-Familien, die in ihre Portemonnaies greifen. Offenbar verstehen sie, aus welch tiefer Notwendigkeit die Kultur entsteht.

Die Geburt der Kultur aus dem Geist der Not, das ist die Geschichte der Malpaso Dance Company, die es schafft, trotz oder wegen der rigorosen Sanktionen der US-amerikanischen Administration international auf Freunde hoffen zu können. Es sind, scheinbar paradox, vor allem reiche US-Familien, die in ihre Portemonnaies greifen. Offenbar verstehen sie, aus welch tiefer Notwendigkeit die Kultur entsteht.

Das Gespräch mit Fernando Saéz, dem Gründer der Malpaso Dance Company aus Havanna, Kuba, ist ein großes Vergnügen. Er erinnert daran, ohne es aussprechen zu müssen, dass nicht die Not das Thema der Kultur sein kann, sondern im Gegenteil: Dass die Kultur die Menschen dazu befähigt, ihren Körper zum Singen zu bringen, ihn zum Tanzen zu verführen und ihm die Fähigkeit zugesteht, die ein Körper in der Not am dringendsten braucht: die Fähigkeit, sich über die eigene Not hinwegsetzen zu können.

Todd Rosenberg

Diese Reportage von Dirk Fuhrig konnte aus begreiflichen Gründen nicht in Kuba entstehen. Und doch zieht sie einen sofort in ihren Bann.

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Trapped in den Tropen

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Malpaso heißt Kubas Tanztruppe, zu deutsch: „falscher Schritt“ oder – im moralischen Sinne – ein „Fehltritt“. Frei von staatlicher Unterstützung reist sie um die Welt – als Botschafterin einer Kultur, die auf Latin-Feeling und reale Armut nur zu gut verzichten könnte

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